Böse Menschen haben feine Lieder
[...] Toll auch die Stimme von Markus Graf, schön rauchig und dunkel angekratzt. Tom Waits müsste das gefallen, und uns gefällt es ebenso. Jubel bricht aus, wenn er als Zugabe seinen besten Song wiederholt und im Hintergrund die Schauspielkollegen vergnügt mit den Beinen wippen: "Misery's the river of the world! Everybody row."[...] Wilson nannte es damals ein "art musical", Waits ließ wissen, Büchners Stück sei "wild und geil und spannend und die Fantasie anregend". Das ist es, auch bei Jorinde Dröse. [...]
[...] Überhaupt verlegt diese Inszenierung ihren Schwerpunkt vom Sozial- ins Bewusstseinsdramatische. Woyzeck wütet hier weniger wider die Armut; er strampelt, hetzt und rudert um der Anerkennung willen. Vergebens, mit Rührung nehmen wir's zur Kenntnis. Wenn er am Ende seiner Marie die Kehle durchschneidet, während er sie küsst, und sie stumm und tot die Schräge hinunterrutscht, die Musik vornehm schweigt und Woyzeck fiebrig schaut, spätestens dann hat Dröse den Zuschauer am Seelenkragen gepackt. [...]
Dirk Pilz, Berliner Zeitung, 05.10.2009
Woyzeck: Rennen im rasenden Stillstand
[...] Dröses unterhaltsamer und berührender "Woyzeck" ist alles – nur kein Musical, keine Rock-Oper, als die Wilson seine Version vor knapp einem Jahrzehnt in Kopenhagen gezeigt hat, die später auch als Gastspiel am Berliner Ensemble zu sehen war. Allein mit dem geschickten Bühnenbild wendet sich Dröse gegen Wilsons Ästhetik der Bildüberwältung. Es dominiert die Nacktheit, der Eindruck der Leere. [...]
[...] Aber die Stärke dieses Abends liegt ohnehin nicht auf der Handlungsebene, sondern darin, den Wahrnehmungsschmerz einer gläsernen Welt vergegenwärtigt zu haben. Logisch, Tom Waits: Ein bisschen süß ist dieser Schmerz schon auch.
Das Publikum lässt keine Ruhe – bis ein sichtlich verlegener Markus Graf als Zugabe noch einmal das Affenlied gibt.
Andreas Schäfer, Der Tagesspiegel, 04.10.2009
Deutsches Theater: "Woyzeck"
[...] Sie singen diese moritatenhaften Lieder mit Hingabe, mal zärtlich weichgespült oder rauhkehlig und abgrundtief. Woyzeck singt schnulzenschön von seiner Marie: She's My Coney Island Baby, er nennt sie rose und pearl. Alle singen natürlich die originalen englischen Texte. Das ist also, am Deutschen Theater, keine Aufführung für Westerwelle.
Hinter der Szene sitzt eine kleine Honky Tonk Kapelle. Die spielt, mal rockig bitter, manchmal enorm ausgelassen, dann wieder ungeniert sentimental mit viel Blech, Schlagzeug, Marimbaphon und Kontrabass süffig und orgelnd. Ich habe den Ohrwurm schon wieder im Kopf, es gab ihn, wenn auch kürzer, sogar als Zugabe.
Peter Hans Göpfert, rbb kulturradio, 05.10.2009




So ein schöner Abend.
Berliner Zeitung, 05.10.2009
Und singen können sie alle.
Der Tagesspiegel, 04.10.2009
Die Spieler stürzen sich mit großer Begeisterung in die Inszenierung.
rbb kulturradio, 05.10.2009